„Seid laut, seid bunt, seid hörbar“ – Interview mit unserem neuen Pfarrer Carsten Schulze
C im VCP

„Seid laut, seid bunt, seid hörbar“ – Interview mit unserem neuen Pfarrer Carsten Schulze

Simone Haag Simone Haag 1. Juni 2026
1. Juni 2026 C im VCP Zuerst erschienen in: Instagram (1. Juni 2026)

Mit dem Amtsantritt von Carsten Schulze bekommt die evangelische Gemeinde in Ludwigshafen-Friesenheim einen neuen Pfarrer, der Offenheit, Begegnung und gelebte Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt. Im Gespräch erzählt er von seinem bisherigen Lebensweg, seiner Motivation für den Pfarrberuf und davon, was ihn an der Arbeit mit Menschen jeden Alters begeistert. Gleichzeitig gibt er Einblicke in die Herausforderungen des Pfarralltags und seine Vorstellungen von einer lebendigen Gemeinde. Besonders wichtig ist ihm dabei eines: Kirche soll ein Ort sein, an dem alle Menschen ihre Stimme einbringen können.

Carsten Schulze:

„Hey.“

Simone Haag:

„Hey, möchten Sie sich einmal kurz vorstellen?“

Carsten Schulze:

„Ich bin der Carsten Schulze, ich bin 57 Jahre alt und bin der neue Pfarrer von Friesenheim, hier an der Pauluskirche.“

Simone Haag:

„Schön. Wer würden Sie sagen sind Sie eigentlich außerhalb der Kirche?“

Carsten Schulze:

„Jetzt ist eine gute Frage, ob man bei evangelischen von außerhalb und innerhalb sprechen kann, aber ich finde es eine interessante Frage, weil wir ja alle verschiedene Rollen haben. Also ich hoffe ja immer, ich bin erstmal für meine Freundinnen und Freunde, die sich mit mir verbunden fühlen, ein guter Freund. Ich bin Gemeindepfarrer, ich bin manchmal Musiker und ich bin schwuler Papa von zwei erwachsenen Kindern.“

Simone Haag:

„Warum wollten Sie eigentlich Pfarrer werden?“

Carsten Schulze:

„Auch das ist eine gute Frage. Ich glaube wir werden ja alle aus unterschiedlichen Gründen Pfarrerinnen und Pfarrer. Also die Gemeinde, aus der ich komme, da war einfach mein Pfarrer jemand, der für mich wie ein väterlicher Freund war. Und der war immer dann da, wenn es mir als Jugendlicher nicht so gut ging. Der hat mir zugehört und hat mit mir nach Lösungen gesucht und Lösungen gefunden. Und ich dachte, das ist doch nh` coole Sache, also ein cooler Job. Also habe ich mich dazu entschlossen Theologie zu studieren… unwissend darüber, was das Pfarramt noch alles im Petto hat.“

Simone Haag:

„Das klingt schön. Und was begeistert Sie bis heute an Ihrem Beruf?“

Carsten Schulze:

„Als aller Erstes der Kontakt zu den Menschen. Ich hab ja mit Menschen aller Generationen zu tun. Von den Kindergartenkindern bis hin zu den ganz alten Leuten und da lernt man ganz viel über Menschen und Menschen sind unglaublich interessant. Welche Entscheidungen sie gefällt haben, wohin sie das Leben so getrieben hat. Manche haben Pläne gemacht, die sind geplatzt, und dann haben sie ganz andere Dinge draus gemacht. Das Leben hat sie ziemliche Kurven drehen lassen. Das ist ziemlich spannend, das so zu erleben und Biografien von Menschen zu erleben.
Das ist mal das eine und das andere ist, dass mir Gottesdienst feiern total Spaß macht. Ich möchte aber das Gottesdienste Feste sind und keine trockene Veranstaltung, also es wär ganz schön, wenn die Menschen was mitnehmen können davon und wenn sie so ein Satz oder ein Wort mitnehmen, reicht mir das schon.
Also Gottesdienst feiern find ich schön, Musik machen in der Kirche find ich schön und mit Menschen einfach unterwegs zu sein.“

Simone Haag:

„Sehr schön, dann freuen wir uns doch auf Ihren Gottesdienst.
Was sagen Sie, ist manchmal schwierig am Pfarrer-Sein?“

Carsten Schulze:

„Das viele am Schreibtisch sitzen und Sitzungen, denn zum Pfarramt gehört auch Verwaltung, relativ viel Verwaltung. Wir müssen Rechnungen bezahlen, es müssen Handwerker beauftragt werden, es müssen Anträge gestellt werden. Dann sitzt man ja im Moment viel darüber welche Strukturen wir in der Kirche brauchen, damit wir weiterarbeiten können und das ist manchmal langatmig und schwierig.“

Simone Haag:

„Das glaub ich. Und wie stellen Sie sich eine lebendige Gemeinde vor?“

Carsten Schulze:

„Eine Gemeinde in der, Junge und Alte sich einbringen, in der es mehr als nur Toleranz, sondern auch Akzeptanz gibt für unterschiedliche Lebensentwürfe, in der man sich einbringt und sich auch Gehör verschafft, in der man auch gehört wird. Oder aufeinander hören, voneinander lernen und miteinander Wege suchen. Dazu brauchen wir aber ganz viele unterschiedliche Menschen, alte und junge, aber auch die mittlere Generation, die ja oft in Kirchengemeinden fehlt. Die aber ja ihre Perspektive der Arbeitswelt mit einbringt, von daher ist eine lebendige Gemeinde, glaube ich, eine Gemeinde, in der ganz viele Menschen miteinander etwas tun. Wo man das nicht auf eine Person konzentriert, sondern in der alle sagen ja die Gemeinde ist unsere Gemeinde. Das ist eine lebendige Gemeinde.“

Simone Haag:

„Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie gehört haben, dass es in dieser Gemeinde einen Pfadfinderstamm gibt?“

Carsten Schulze:

„Ich habe mich riesig gefreut, weil ich in einer meine vorherigen Gemeinden ja auch einen Pfadfinderstamm hatte, und der war von der DPSG und da war ich auch Kurat, also das ist eine Art geistige Leitung. Dann habe ich das ja auch mitverfolgt, was die so machen, was die für entscheiden, mit den hab ich Gottesdienste gefeiert, wir haben mal Gruppenstunde zusammen gemacht und das hat einfach Spaß gemacht. Mit Pfadfindern zusammen zu sein macht einfach Spaß.“

Simone Haag:

„Gibt es einen Ort, an dem Sie besonders gerne sind?“

Carsten Schulze:

„Ich bin total gerne am Meer, Ich liebe es auf der Insel zu sitzen, am liebsten auf Ostfriesischen Inseln, da gibt’s nämlich noch so guten Tee dazu mit Sahne und dann Tee zu trinken, aufs Meer zu schauen, gibt’s was schöneres.“

Simone Haag:

„Gibt es etwas, was Sie uns gerne noch mit auf den Weg geben möchten?“

Carsten Schulze:

„Ja ich hätte gerne, dass ihr euch in die Gemeinde einbringt. Mit den Ideen, die ihr habt, mit den Gedanke die ihr habt, mit den Gefühlen, die ihr habt. Seid laut, seid bunt, sei hörbar. Das ist das schönste, was es gibt.“

Simone Haag:

„Sehr schön, dann vielen lieben Dank für das nette Interview, wir freuen uns sehr auf die Arbeit mit Ihnen.“

Carsten Schulze:

„Da freue ich mich auf. Bis zum nächsten Mal.“

PS: Das Interview gibt es auch als Video auf unserem Instagram-Account: stammngz. Schaut doch gerne mal vorbei ;)

Galerie

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